9. März 2015

How to survive your first Marathon


Ich gebe es zu: mein primäres Ziel bei jedem Marathon ist es, lebend und auf beiden Beinen über die Ziellinien zu laufen (oder schleichen). Mehr möchte ich gar nicht, denn wenn ich eines nicht bin, dann ein Wettkampf-Typ. Natürlich bin ich erst ein Marathon-Neuling und wer weiß vielleicht werde ich irgendwann einmal auf die Uhr im Zieleinlauf schauen und statt zu rufen "In der Zeit geschafft!! Sie müssen mich nicht mit dem Bus abholen!" vielleicht eher jubeln "Wow!! Eine neue Bestzeit!". Bis dahin gebe ich mich damit zufrieden, dass ich 3 Marathons (ist der Plural überhaupt richtig???) unbeschadet gemeistert habe und jedes Jahr wieder begeistert antrete (wir haben doch alle unsere masochistische Ader).
Wie auch immer. Für alle Newbie Marathon-Läufer und diejenigen, die es noch werden wollen offenbare ich hiermit meine ganz persönlichen Überlebenstipps, vor, während und nach dem Lauf. Denn wenn man erst einmal weiß wie es geht, ist ein Marathon mit das Beste was man im Leben machen kann.


How I survive a Marathon

  • Habe einen lieben, unterhaltsamen, lustigen und hilfsbereiten Menschen an deiner Seite, der die Scheiße mit dir zusammen durchsteht. Ich wüsste nicht, ob ich es ohne meine Freundin je geschafft hätte bzw. hätte ich mich ohne sie wahrscheinlich nicht einmal angemeldet. Alleine schon deswegen, um sich beim anschließenden Nach-Hause gehen gegenseitig zu stützen, weil man vor Schmerzen nicht mehr die U-Bahn Treppe herunterkommt.



  • Frühstücke! Vermeide zu viel Fett(bei meinem ersten Marathon aß ich mehrere Leberwurstbrote und mir wurde nach einigen Kilometern ganz anders...) , weißen Zucker und Weißmehl(für Menschen wie mich, mit einem nervösen Blutzuckerspiegel. Sonst kommt die Unterzuckerung bestimmt und die Bananen sind schon für die Elite-Läufer flöten gegangen), esse etwas salziges und trinke nicht allzu viel. Mein perfektes Marathon-Frühstück: Joghurt mit Haferflocken und Honig, Kaffee, Wasser wie ich durstig bin und ein gewürztes Hähnchenbrustfilet.



  • Laufe niemals ohne einen Snack los! Ok, das ist wieder etwas sehr persönliches, denn ich kriege sehr schnell Hunger und man will mich nicht unterzuckert erleben. Ich habe normal ab Kilometer 17 Hunger und während sich die anderen einen abschwitzen und neben mir vorbeiziehen, hole ich entspannt meinen Powerriegel raus und gönne mir ein paar Minuten gehen. Meinen Powerriegel mache ich mir selber und er besteht meist aus: Haferflocken, Honig, Datteln, Rosinen, Meersalz und das alles schön püriert. Und schwupps, kann es auch schon frisch gestärkt weitergehen!



  • Lache, juble, klatsche die brüllenden Zuschauer ab, bewundere die Sehenswürdigkeiten und singe zur Musik aus deinen Kopfhörern laut vor dich hin. Schenke den Kameras dein bestes Lächeln (irgendwie landet man doch immer in einer Zeitung) und halte ein kurzes Schwätzchen mit deiner Nachbarin, die plötzlich an der Ecke auftaucht. Genieße den Lauf! Schwebe langsam über den roten Teppich über die Zielgerade und strahle jubelnd in die Finisher-Cam!



  • Du lebst gesund und ernährst dich stets bewusst, kaufst nur Bio-Produkte und isst keinen Zucker. Alleine die Tatsache dass du einen Marathon läufst bedeutet, du bist wahrscheinlich fitter und gesünder als die meisten Menschen bist. Nach einer monatelangen Marathon-Vorbereitung mit Obst und Gemüse zum Abwinken hast du es dir einfach verdient. Wenn es jemand verdient hat, dann DU! Ja, meine Lieben, ich laufe tatsächlich von der Finisher-Line geradewegs in den nächstgelegenen McDonald. Man erkennt den Läufer an seinem Outfit, der Laden ist schnell zum Bersten gefüllt mit ausgehungerten Sportlern, die komisch laufen. Ich haue so richtig rein: 2x Big Mac Menü, 1 Liter Orangensaft, McFlurry mit Smarties, 9er Chicken McNuggets. Ich sage euch, das Essen danach ist das Beste an jedem Marathon.



  • Mache keine Pläne für diesen oder den darauffolgenden Tag. Am Besten sagst du alles für die komplette Woche ab. Direkt nach dem Rennen fühlst du dich wie Superwoman, voller Stolz, mit Adrenalin und Serotonin angefüllt bis oben hin und unzerstörbar. Das vergeht. Schnell. Sehr schnell. Du denkst die Schmerzen können nicht schlimmer werden, doch sie werden es. Agenda für den Nachmittag und Abend nach dem Rennen: Im Bett liegen, Fernseher an, Essen und Getränke in Reichweite, Laptop und Handy auch denn es ist nun die einzige Möglichkeit mit der Welt zu kommunizieren. Aufstehen solltest du nur um mal für kleine Läufer zu gehen. Schlafe bis zum nächsten Nachmittag und beginne von Vorne.


Und immer daran denken: Du kannst es Schaffen! Wenn ich es kann, kannst du es auch! :)