12. April 2015

Leseprobe Fatal Selection [Band 1] - Der Anfang

Ich wünsche euch viel Freude mit einer kleinen Leseprobe aus meinem aktuellen Manuskript. 


Die Espresso-Maschine piepte und Isabella stellte eine Tasse unter den Ausguss. Sie erhöhte die Koffeinstärke auf das Maximum und drückte den Startknopf. Der Geruch von frisch gemahlenen Kaffeebohnen erfüllte den Raum. Sie nahm die Briefe in die Hand und schaute, ob etwas für sie dabei war. Tatsächlich waren zwei Briefe an sie adressiert. Neugierig drehte sie den Ersten um und las den Absender. Er war von der Ludwig-Universität. Isabella nahm ihre Espressotasse und trank einen großen Schluck. Sie wusste nicht recht, was sie tun sollte.
Abwarten oder Aufmachen. Abwarten oder Aufmachen.
Ihre Hände zitterten leicht, als sie die leere Tasse wieder unter den Ausguss stellte und eine weitere Ladung Espresso einlaufen ließ. Wenn sie ihn jetzt öffnete, wusste sie es gleich.
Absage oder Zusage.
Sie prüfte, wie schwer der Brief war. Mehrere Seiten Papier. War das ein gutes Zeichen? Sollte sie lieber warten, bis ihre Eltern nach Hause kamen? Oder Sarah als mentale Unterstützung anrufen? Sie kippte die zweite Tasse Espresso hinunter.
„Ok, tief durchatmen“, sagte sie sich, „wenn ich nicht genommen wurde, geht die Welt nicht unter. Alles halb so schlimm.“
Das stimmte natürlich nicht. Solch eine Chance war einmalig und würde nicht wiederkommen. Man durfte sich nicht ein zweites Mal bewerben. Wenn sie eine Absage bekam, musste sie sich an einer der Massenunis bewerben. Ihr wurde schlecht bei dem Gedanken an die überfüllten Hörsäle und das schlimme Kantinenessen.
„Ich muss es wissen“, sagte sie sich und riss den Umschlag mit ihren perfekt manikürten Fingernägeln auf. Sie entnahm mehrere Seiten, faltete sie langsam auseinander und schloss ihre Augen. Sie atmete noch einmal tief ein und aus, um ihren Herzschlag zu beruhigen. Ihre Yoga-Lehrerin wäre stolz auf sie. Sie öffnete langsam ihre Augen und begann, den ersten Satz zu lesen.

„Wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu können, ...“

Oh – mein – Gott. Isabella sprang hoch, stieß einen Freudenschrei aus und warf fast ihre Tasse aus feinstem Porzellan auf den Boden. Sie widmete sich wieder dem Brief und las den Rest. Sie hatte es geschafft, der Ausschuss hatte sie ausgewählt und sie konnte sich für das nächste Jahr in ihrem Wunschfach einschreiben. Sie konnte es kaum fassen. Fast weinte sie vor Glück, und sie weinte niemals. Sie fing an durch die Küche zu tanzen und vor sich hinzuträllern. Sie war sich sicher, dass dies der beste Tag ihres Lebens werden würde.
Sie musste sofort Sarah anrufen.

Sie nahm ihr Handy vom Tisch und ihr Blick fiel auf den zweiten Brief, der an sie adressiert war. Den hatte sie in der ganzen Aufregung völlig vergessen. Sie scrollt auf ihrem Handy zu Sarahs Nummer, während sie den Brief umdrehte und einen Blick auf den Absender warf. Sie wollte sich gerade das Handy ans Ohr halten, als sie mitten in ihrer Bewegung innehielt. Auf der Rückseite des schneeweißen Briefes leuchtete ihr das Wappen der Regierung entgegen.