21. Mai 2015

Leseprobe Fatal Selection [2] - Anarchie

Zeit für eine kurze neue Leseprobe!

Ich schreibe gerade an der Fortsetzung von Fatal Selection und hoffe, dass ich im Juni/Juli fertig werde. Der zweite Teil setzt 10 Jahre nach den Ereignissen des ersten Teils ein. Es werden einige neue Charaktere auftauchen und die Atmosphäre wird wesentlich düsterer sein.

Lasst euch überraschen!



Leseprobe - FATAL SELECTION [Band 2] - Anarchie

Prolog


Sie spürte seinen heißen Atem an ihrem Nacken, schon bevor sich seine glitschigen Finger auf ihre Schulter legten. Ihr Instinkt übernahm die Kontrolle, Adrenalin schoss durch ihre Adern. Im Bruchteil einer Sekunde zog sie ihr Messer aus der Vordertasche ihrer Jeans, wirbelte herum und stieß zu. Die Scheide glitt geräuschlos durch die Haut und versank bis zum Schaft im Oberkörper ihres Gegenübers. Zur Sicherheit drehte sie es einmal um sich selbst und zog es mit einem Ruck wieder heraus. Sie sah ihm in die Augen. Sie waren gerötet und trübe, das Augenweiß war gelblich verfärbt und von Adern durchzogen. Ein Junkie.
Er schaute verdutzt an sich hinab und hob die zittrigen Hände zu seiner klaffenden Wunde, aus der das Blut langsam aber stetig auf den dreckigen Asphalt tropfte. Erst schaute er auf seine blutigen Hände, dann hob er wieder den Blick. Er wirkte völlig abwesend, als würde er nicht verstehen was mit ihm passierte. Im letzten Augenblick riss er die Augen auf, so als würde das eben Geschehene zu ihm durchdringen, doch das Licht verschwand schon aus seinen Augen.
Als er zu Boden ging drehte sie sich um, zog ein Taschentuch aus ihrer Hosentasche, säuberte ihr Messer und warf das blutige Tuch in den Bordstein. Sie verstaute es wieder sicher und setzte ihren Weg fort.
Niemand beachtete sie oder die Leiche auf dem Gehweg. Irgendwann würde die Polizei sie abholen. Oder auch nicht.
Sie ging langsam die Straße entlang. Es war eine unerträgliche Hitze. Sie konnte sich nicht erinnern wann es das letzte Mal geregnet hatte. Ihr nickten ein paar Jugendliche zu, Stammgäste in ihrer Bar. Es war nur ein Junkie. Der wollte bloß Geld oder Stoff oder eine Spritze. Sie dachte an seinen verschwommenen Blick, seine schmächtige Statur und seinen hilflosen Gesichtsausdruck. Selbst wenn er es gewollt hätte, er hätte dich niemals töten können.
Sie tötete keine wehrlosen Menschen. Sie tötete überhaupt nicht gerne. Es war etwas das man tun musste, um selber zu überleben. Doch sie tat es auch aus einem anderen Grund. Sie tat es, weil ihre Schuldgefühle sie sonst von innen her auffraßen.
Heldin der Straße, so nannten die Leute sie in der Nachbarschaft. Sie hielten sie für einen Schutzengel oder Superwoman höchstpersönlich. Er hätte sich nicht von hinten anschleichen sollen. Da hätte jeder zugestochen.
Sie strich sich eine braune Haarsträhne hinter das Ohr, die vor Luftfeuchtigkeit und Schweiß auf ihrer Wange klebte. Wenn die Leute wüssten wer sie wirklich war, würden sie sie wahrscheinlich öffentlich exekutieren. Denn sie war diejenige, die für diese alltägliche Hölle verantwortlich war.