23. Juni 2015

Leseprobe zu Lauf! [Thriller]

Meine Lieben, 
ich komme gar nicht mehr zum posten :( Ich verspreche, dass ich bald wieder mehr Zeit habe, dann schreibe ich wieder fleißig Beiträge.

In der Zwischenzeit arbeite ich ein wenig an meinem Thriller, wenn auch nur mit mäßigem Fortschritt. Und da habe ich bemerkt, dass ich euch hier noch gar keine Leseprobe online gestellt habe! Für alle, die ihn noch nicht auf Facebook gelesen haben, also ein kleiner erster Ausschnitt aus meinem aktuellen Projekt. Ganz und gar uneditiert! ;)

Viel Vergnügen und lasst euch von dem Wetter nicht unterkriegen! :)


1. Leseprobe aus "Lauf!" [Arbeitstitel] (Thriller, August 2015)


“Lauf!”
Sein Gesicht spiegelte pure Verzweiflung wider. Und noch etwas anderes. Todesangst. Sie las mehr an seinen Lippen ab, was er ihr entgegenrief, als dass sie es hörte. Wie ein Trommelwirbel, der das Ende eines Liedes einleitete, prasselte der Platzregen auf den Asphalt und übertönte alle anderen Geräusche. Doch auch wenn es totenstill gewesen wäre, sie hätte nichts um sich herum wahrgenommen.
Sie sah nur Lars Gesicht, das ihr inzwischen so vertraut war wie ihr eigenes, seine Hände, die sich krampfhaft an den Rand der Brücke krallten, hörte nur das Blut, das durch ihre Adern rauschte, den stummen Schrei, der in ihrem Kopf wie eine Opernarie widerzuhallen schien.
Und sie rannte. Rannte so schnell, dass sie glaubte zu fliegen. Sie schaute nicht auf den Boden, achtete nicht auf Hindernisse und dachte nicht daran, dass sie auf dem klitschnassen Boden ausrutschen könnte. Ihr Blick war starr geradeaus gerichtet. Auf das Einzige, was ihr im Leben geblieben war. Dem einzigen Menschen, dem sie noch vertrauen konnte.
Er schrie sie weiter an, doch sie hörte nichts. Nur noch wenige Meter, dann wäre sie da. Sie würde es schaffen. Er würde es schaffen. Sie würden überleben.
Nach allem was passiert war, hatten sie es verdient, weiterzuleben. Sie würden verschwinden. Irgendwohin, wo sie niemand fand. Wo die sie nicht fanden.
Entsetzt sah sie wie die Finger seiner rechten Hand abrutschten, doch er griff tief in das Loch, das wohl ein Schutzengel in den brüchigen Asphalt geschlagen hatte und konnte sich gerade noch halten, bevor er in die Tiefe stürzte.
Nur noch 2 Meter.
Jetzt hörte sie seine Stimme. Seine Worte drangen in Fetzen zu ihr durch.
„Pass - ! Hinter - !“
Fast hätte sie ihre Hand nach ihm ausstrecken können. Nur eine Sekunde. Es hätte nur eine Sekunde gefehlt. Eine Sekunde oder einen Meter.
Sie spürte, wie sich eine starke Hand in ihren Oberarm krallte und sich die Fingernägel in ihre nackte Haut bohrten. Bevor sie reagieren konnte, durchfuhr sie ein stechender Schmerz, der von ihrer Wirbelsäule ausging und sich in ihrem ganzen Körper ausbreitete, so als würde ihr Blut zu Eis gefrieren und tausend Nadelstiche durch ihr Innerstes senden.
Sie wandte ihren Blick nicht von Lars Gesicht ab. Beobachtete, wie sich seine Verzweiflung in pures
Entsetzen verwandelte, er schrie ihren Namen, seine Augen weiteten sich und sie sah Wut in ihnen aufblitzen. Nein, nicht Wut. Hass.
Ein weiterer Stich, diesmal merkte sie förmlich, wie sich die scharfe Klinge von hinten in ihre linke Seite bohrte, spürte die warme Flüssigkeit, die langsam ihren Rücken herunterlief. Ihre Sinne waren mit einem Mal überirdisch geschärft, sie wurde sich dem heißen Atem an ihrem Nacken bewusst, dem Geruch von Hunger und abgestandenen Zigaretten, hörte den flachen Atem ihres Mörders, spürte seine nasskalte, glatte Haut an ihrer Wange. Als ein drittes Mal das Messer in ihrem Körper versank, merkte sie, wie ihr Kopf leicht wurde und ihr Blick verschwamm. Auf einmal wurde ihr ganz warm. Es war ein angenehmes Gefühl. So geborgen.
Es hatte so enden müssen. Das wurde ihr nun blitzartig klar. Es hätte niemals anders enden können. Der Tod hatte sie immer begleitet, ist ihr dicht auf den Fersen gewesen. Doch man kann nur so häufig dem unausweichlichen Schicksal entrinnen. Irgendwann musste sogar ihre Glückssträhne abbrechen. Ihr ist noch ein dramatisches Finale geschenkt worden. Doch das Ende war die ganze Zeit direkt vor ihr gewesen, hatte nur auf den richtigen Zeitpunkt gewartet.
Bevor sich ihr Bewusstsein endgültig verabschiedete, sah sie noch, wie Lars sich mit neu erweckten Kräften an der Kante hochzog, sich seine Finger in den bröckeligen Asphalt krallten. Und dann sah sie seinen Blick. Der Blick eines Killers. Denn das war er immer gewesen. Doch sie sah auch etwas anderes. Etwas Vertrautes. Etwas Beruhigendes. Etwas wie Heimat.
Mögen wir uns wiedersehen. In einer besseren Welt.
Im allerletzten Augenblick musste sie mit ansehen, wie er auf dem mittlerweile überschwemmten Boden den Halt verlor und abrutschte. Doch sie machte sich keine Sorgen um ihn. Er würde es schon schaffen. Sein Schicksal war ein anderes.
Dann wurde alles schwarz. Sie merkte noch, wie sie hinabglitt, unfähig auch nur einen Muskel in ihrem Körper zu aktivieren. Dann fiel sie auf das harte Gestein. Und dann war nichts mehr.