27. September 2015

The Game - Utopia

Meine Lieben,

Ab heute ist der 1. Teil meiner neuen Sci-Fi-Reihe "The Game" als Kindle-Version erhältlich. Taschenbuch folgt demnächst.

Viel Vergnügen und frohes Lesen :)






The Game - Utopia

Was, wenn das Leben ein Spiel wäre? In der Stadt Utopia ist dies Realität. Das Leben eines jeden Spielers wird durch seinen Punktestand bestimmt, der ihn einem von 7 Level zuordnet. Die Regeln bestimmen, für welche Handlungen Punkte abgezogen oder gewonnen werden. Wenn man verliert, scheidet man aus. Es ist die perfekte Welt. Doch nicht für alle. 


Unerwartet gelangt eine Gruppe von fünf andersdenkenden Jugendlichen, die sich trotz aller Unterschiede gemeinsam durch das Spiel kämpfen, in Kontakt mit der geheimen Rebellenorganisation Operation New Game. Ihre Visionen von einem demokratischeren Spiel klingen verlockend. Doch welche Ziele verfolgen die Anführer wirklich? Als plötzlich einer der Freunde verschwindet, macht jemand von ihnen eine furchtbare Entdeckung. Können sie den Plan der Rebellen noch durchkreuzen und das Spiel retten? 




25. September 2015

Leseprobe aus "The Game - Utopia"

Viel Vergnügen :)


Deanna

„Hey, pass doch auf!“, schrie Dea hinter dem Fahrer des tiefergelegten, goldenen Speedcars mit den aufgemalten Angeberflammen her und zeigte ihm den Mittelfinger. „Reiches Arschloch! Wenn man nicht fahren kann, sollte man lieber seinen Autopiloten ran lassen“, rief sie, doch der Wagen war schon längst verschwunden.
Diese reichen Schnösel mit ihren schwarzen Augen und ihren hässlichen Speedcars, mit denen sie weit über dem Speedlimit bei abgeschaltetem Autopilot durch die Straßen rasten, waren ihr ein Dorn im Auge. Nur weil sie auf dem höchsten Level waren und Geld wie Heu hatten, dachten die sie könnten sich alles erlauben. Zum Glück gab es in diesem Spiel tatsächlich ab und an so etwas wie Gerechtigkeit und solch ein arroganter Fahrer kam von der Bahn ab oder verursachte einen Unfall, der sich gewaschen hatte. Bei diesen Gelegenheiten nahm sie sich gerne die Zeit, kurz anzuhalten und schadenfroh zu lachen. Da der Chip nicht den Unterschied zwischen Schadenfreude und echter Freude erkennen konnte, gab es dafür sogar noch 5 Punkte.
Sie raste mit ihrem Speedbike auf dem Mittelstreifen der fünften Fahrspur entlang und schlängelte sich geschickt durch die langsameren Speedcars. Hinter dem reichen Proll hinterherzuschreien hatte sie wertvolle Sekunden gekostet, also überfuhr sie eine rote Ampel. 210.
Niemand hupte ihr hinterher, niemand fluchte. Sie konnte sich vorstellen, wie die braven Mitspieler hinter den Autoscheiben ihr irritiert hinterherstarrten und dann wieder, als wäre nichts passiert, ihr falsches Grinsen aufsetzten.
Der kühle Fahrtwind wirbelte ihre roten Locken auf und hinterließ ein angenehmes Gefühl auf ihrer schweißnassen Haut. Das leise, unterschwellige Summen der Speedcars vibrierte in ihren Ohren, während ihr Rad geräuschlos und sanft über den ebenen Asphalt glitt.
An der nächsten Ausfahrt bog sie scharf links ab und schnitt dabei drei Spuren. Sie spürte, wie ihr Hinterrad die Stoßstange eines Wagens berührte, und genoss den Nervenkitzel, den ihr das Manöver bescherte. Während sie die gewundene Abfahrt hinuntersauste, warf sie einen Blick auf die Zeitanzeige an ihrem Speedbike. Sie lag 5 Minuten vor ihrer vereinbarten Zeit. Wenn sie Glück hatte, konnte sie sich auf Trinkgeld freuen. Wenn nicht, war es zumindest ein neuer persönlicher Rekord, es in nur 20 Minuten vom blauen in den weißen Distrikt zu schaffen, und das im morgendlichen Berufsverkehr.
Die Nord-Süd-Hauptstraße war mit Abstand die schlimmste Strecke. Vor einigen Monaten hatten sie einen Kollegen hier verloren der dachte, er könnte sich gegen einen Speedtruck durchsetzen. Sein Stunt ist atemberaubend gewesen, doch er hatte mit seinem Leben zahlen müssen. Und das auf grünem Level. Was für eine Verschwendung.
Sie verließ die Abfahrt und schloss für einige Sekunden die Augen, als sie in den weißen Distrikt einfuhr. Eine riskante Entscheidung, doch die strahlend weißen Fassaden der Wolkenkratzer, die spiegelnden Fensterscheiben der vollverglasten Bürogebäude, welche das Sonnenlicht wie Brennglas verstärkten und die Straßen in ein gleißendes Licht tauchten, sowie die Bäume, deren weiße Blätter wie tausend kleine Glühbirnen strahlten, blendeten jeden, der diesen Distrikt betrat. Sie hatte bei den Spielemachern schon des Öfteren auf die Gefahr aufmerksam gemacht, doch da dieser Distrikt von den Reichsten der Reichen bewohnt wurde und sie die weiße Reinheit und den glänzenden Schein nun einmal liebten, war da nichts zu machen.
Dea machte sich auch weniger Sorgen um ihre eigene Sicherheit, als um die der anderen Verkehrsteilnehmer. Einmal hatte sie beinahe ein Kind umgefahren, welches einfach auf die Straße gelaufen war, um ein Bonbon aufzuheben. Als sie ihre Augen wieder öffnete, hatte sie in letzter Sekunde noch das Rad herumreißen können.
Sie durchfuhr die schachbrettartig angelegten Straßen und bog dann auf den Bürgersteig, wobei sie sich eine Schneise durch die schwarzen Anzugträger schlug, die sich wie schwarze Schachfiguren von der weißen Umgebung abhoben. Ihr waghalsiger Fahrstil erntete diverse missbilligende Blicke, sie verzog ihren Mund zu einem schelmischen Grinsen und zwinkerte einem besonders entsetzt dreinschauenden jungen Mann beruhigend zu. 211.

Mit einer Vollbremsung kam sie vor dem Wolkenkratzer mit der Nummer 1670, die in überdimensionalen Zahlen digital über dem Eingang leuchtete, zum Stehen. Als sie sich dem Eingang näherte, erschien eine Liste mit allen Einwohnern des Gebäudes an der Wand direkt neben der Tür. Sie berührte den Namen des Empfängers ihrer Sendung und legte den Mitarbeiterausweis ihres Kurierservices auf das leere, rechteckige Feld, welches nun erschien. Der Name erleuchtete grün und die Tür verschwand mit einem hohen Summton seitlich in der Wand. Sie betrat das weiße Foyer und die Gummisohlen ihrer neongrünen Sportschuhe quietschten auf dem spiegelglatten Glasboden. Der Portier grüßte sie mit einem breiten Lächeln. Dea nickte ihm knapp zu, bequemte sich einen Mundwinkel hochzuziehen und rauschte an ihm vorbei in einen der Aufzüge, der sie im Bruchteil einer Sekunde in den 150. Stock hinaufkatapultierte.