21. Januar 2016

Neuigkeiten zu Fatal Selection [3] - Die Erfüllung

Meine Lieben,

Ich sitze fleißig an dem dritten und letzten Band von Fatal Selection. Planmäßiger Erscheinungstermin ist Ende Februar. Eine klitzekleine Leseprobe bekommt ihr heute schon. 

Viel Vergnügen :)


Leseprobe Fatal Selection [Band 3] - Die Erfüllung

"Was machst du da?" 
Sie wirbelte herum, ihr Messer angriffsbereit ausgestreckt. Blut tropfte von ihrer Hand auf den staubigen und von der Hitze aufgeplatzten Asphalt vor dem leer stehenden Fabrikgebäude hinterm Ostkreuz. Sie hatte sich verletzt, als sie eine der verdreckten, undurchsichtigen Fensterscheiben mit dem Elfenbeingriff ihres Messers einschlug. 
"Ben", stieß sie überrascht hervor. "Was machst du hier?" 
"Du hast mich angerufen, schon vergessen?" 
Er näherte sich ihr vorsichtig, den Blick nicht von der scharfen Klinge abwendend. 
Verwirrt beobachtete sie ihn. Stimmt. Sie hatte ihn angerufen. Er hatte ihr versprochen, bei der Suche nach Jens zu helfen. Doch sie hatte nicht angenommen, dass er tatsächlich kommen würde. 
Unschlüssig stand sie da und wusste nicht recht, wie sie reagieren sollte. In ihrem ganzen Leben hatte ihr noch nie jemand geholfen. Die Straße war kein Ort der Nächstenliebe.  
"Ich muss hier weitermachen", sagte sie schließlich und wendete sich wieder der zerbrochenen Fensterscheibe zu. 
Sie brach die spitzen Stücke, die wie tödliche Wolfszähne aus dem Rahmen stachen, mit ihrer blutigen Handkante heraus. Dann stützte sie sich an dem hölzernen Fensterbrett, an welchem die weißgräuliche Farbe hässlich abgeblättert war, ab und sprang mit einem Satz in die stockdunkle Halle. Sie fluchte, als sie sich einige Splitter in die Handfläche trieb. Unbeeindruckt trat sie über die Scherben, welche sie an ihren abgehärteten und durch wochenlanges Barfußlaufen gefühllos gewordenen Fußsohlen kaum wahrnahm.  
Halb blind tastete sie sich durch die leere Halle, das Knirschen der Scherben hallte gespenstisch an den Wänden wider. Langsam gewöhnten sich ihre Augen an die Dunkelheit. Doch wie erwartet war das Gebäude völlig leer. Ein paar leere Plastikbecher lagen auf dem Boden verstreut, Papier, ein umgeworfener Stuhl mit nur drei Beinen. Sie stieß mit ihrem großen Zeh gegen einen Kugelschreiber, der vor ihr davonrollte. Aus Gewohnheit bückte sie sich flink, hob ihn auf und steckte ihn sich in die Tasche ihrer Shorts. Alles war etwas wert.  
Plötzlich hörte sie ein Geräusch hinter sich und sie war sofort wieder in Angriffsstellung. Aber es war nur Ben, der ihr durch das Fenster gefolgt war. Mit seinen Sportschuhen zertrat er lautstark das Glas und blickte sich argwöhnisch um. 
"Was suchst du hier?"