9. Oktober 2017

Neuerscheinung: In einer anderen Zeit

Meine Lieben,

mein neuer romantischer Fantasy-Roman "In einer anderen Zeit" ist ab Heute als E-Book erhältlich. Taschenbuch folgt wie üblich Ende der Woche.

Viel Vergnügen und habt eine schöne Woche :)







Leseprobe:



29. Juni, 22 Uhr

Als sie erwachte, dröhnte ihr Kopf. Sie hatte das Gefühl, als ob ihr jemand ein eiskaltes Glas Wasser ins Gesicht geworfen hätte.

Sie blinzelte. Tatsächlich hatte sie Tropfen auf den Wimpern.

„Was zur…“, murmelte sie, als ihre Augen die Fesseln an ihren Handgelenken und Fußknöcheln entdeckten, welche sie an einen altertümlich wirkenden Stuhl fesselten.

Ach ja. Sie erinnerte sich.

Sie blinzelte die Wassertropfen weg und entdeckte den Kapitän. Er lehnte lässig am Schreibtisch, ein Buch in der Hand, offenbar völlig versunken. Wut stieg in ihr auf. Wie gerne würde sie ihm das Buch aus der Hand schlagen. Aber sie wusste ja nun, wie so etwas endete.

Irgendwann blickte er auf. „Ach, Bella, du weilst wieder unter uns.“ Sein Tonfall klang fröhlich, doch seine Augen waren eiskalt.

Sie funkelte ihn wütend an. Er schien wenig beeindruckt.

„Ich habe etwas für dich, bevor wir uns wieder unserem Gespräch widmen können, welches von dir unsanft unterbrochen wurde.“

Was für ein Arsch. Als er sich jedoch von der Tischkante abstieß und ihr ein Silbertablett mit köstlichem Essen reichte, verflog ihr Hass für einen Moment.

„Du wirst Hunger haben“, sagte er und zog ein scharfes Messer aus seinem Ledergürtel.
„Willst du mich jetzt füttern?“, fragte sie, unbeeindruckt, und versuchte sich von ihren Fesseln zu befreien. Doch sie waren erstaunlich fest. Klar, er war Pirat. Seemannsknoten. Da konnte sie ewig versuchen sich zu befreien, das Seil würde nur tiefer in ihre Haut schneiden.

Er grinste, das Messer näherte sich ihrem Hals. Sie zuckte unweigerlich zusammen. Sein Grinsen wurde breiter. Sadistisches Arschloch. Er genoss die Situation, das war ganz offensichtlich.

Doch dann wanderte das Messer an ihr hinab und er entfernte mit einem kurzen Schnitt ihre Fesseln.

„Wieso fesselst du mich und befreist mich dann wieder?“, fragte sie und rieb ihre wunden Stellen. 

„Du solltest nicht so viel fragen“, antwortete er nur.

Er hatte wahrscheinlich recht. Sie sollte weniger reden und sich besser schleunigst einen Plan überlegen, wie sie aus dieser furchtbaren Realität wieder verschwinden konnte.

Dann reichte er ihr das Tablett und sie dachte wenig nach, sondern griff eifrig zu. Sie konnte sich nicht erinnern je so hungrig gewesen zu sein. Wenn er sie hatte vergiften wollen, hätte er es schon früher tun können. Außerdem war es ihr an diesem Punkt egal. Sie starb vor Hunger.

Aus dem Augenwinkel beobachtete sie, wie der Pirat zurück zu seinem Schreibtisch ging und sein Buch wieder aufnahm.

Das Buch. Damit hatte alles angefangen. Sie musste es finden. So verrückt es auch klang, sie hatte das Gefühl irgendwie in diesem Buch gefangen zu sein. Es war totaler Schwachsinn, das war ihr klar, doch es war auch die einzige Erklärung. Sie musste es finden.

„Also, Bella, ich habe dir einen Deal anzubieten“, sagte er, ohne sie anzublicken. Stattdessen blätterte er eine Seite um, die Ruhe in Person. Es machte sie nur noch wütender. Heftig zerkaute sie eine Olive.

„Ich höre“, blubberte sie zwischen zwei Käsestücken. Es schmeckte hervorragend. Arm war dieser Pirat mit Sicherheit nicht.

Langsam legte er das Buch nieder, verschränkte seine Arme und starrte sie an, auf einmal ernst. Sein dämliches, anzügliches Grinsen war von seinem Gesicht verschwunden.

„Du wirst mir dabei helfen, mich an meinem Erzfeind zu rächen, und im Gegenzug“, er machte eine theatralische Pause“, werde ich dich dort hinbringen, wo du es mir aufträgst.“

Helfen sich an seinem Erzfeind zu rächen? Was für ein Schwachsinn, wie sollte sie ihm helfen?

Sie dachte eine Sekunde nach, doch sie hatte sowieso keine Wahl. Und er konnte sie vielleicht nach Hause bringen.

„OK“, sagte sie.